An(ge)dacht

Anfangen

Anfangen – In der zweiten Augustwoche beginnt ein neues Schuljahr. Besonders aufregend ist das für die Schulanfänger. Die Kindertagesstätten, Eltern, Lehrer und Lehrerinnen haben ganz viele Überlegungen angestellt, damit der Start in diesen neuen Lebensbereich für die Schulanfänger möglichst problemlos verläuft.

Anfangen – vor dieser Aufgabe stehen nicht nur Schulanfänger. Schon der erste Tag in der Kindertagesstätte oder bei der Tagesmutter war ein Schritt in eine neue Lebenswelt und der Schulanfang bleibt bei weitem nicht der letzte Neuanfang. Der Weg ins Berufsleben, in eine Partnerschaft, in ein anderes Land, in neue Aufgaben können weitere solche Neuanfange sein. Wir bleiben lebenslang Anfänger. Vor dem Neuanfang liegt zumeist eine Zeit der Unsicherheit: Wie werden die Menschen in meinem neuen Lebensumfeld sein und mit mir umgehen – in der neuen Sportgruppe, in der Seminargruppe, beim Studium, die Kollegen in der ersten Arbeitsstelle? Werde ich den Ansprüchen genügen? Wird mir dieser neue Lebensabschnitt Freude bereiten? Die Unsicherheit vor einem neuen Lebensabschnitt gehört dazu und macht das Ganze erst interessant. In jedem Neuanfang liegt auch die Chance, sich selbst zu verändern und über die eigenen Grenzen hinauszuwachsen.

Die Bibel ist voll von Neuanfängen. Da ist Abraham, der von zu Hause wegzieht in ein Land, das im Vergleich zu vorher keine Sicherheit bietet. Dennoch wagt er diesen Schritt und erlebt Gott als zuverlässigen Begleiter, der ihn segnet. Auch Noah wagt in seiner Arche den Neubeginn im Vertrauen auf Gott. Gott setzt einen Neubeginn mit Mose, der das Volk Israel aus der Sklaverei herausführt. Der Anfang im neuen Land Kanaan fällt eher bescheiden und schwierig aus. Aber auch da trägt das Vertrauen auf Gott seine Früchte. In mancher Krise, in der sich das Volk Israel von Gott abwendet, ermutigen die Propheten mit aller Kraft zum Neubeginn mit Gott. Den größten Neubeginn setzt Gott selbst. Er fängt neu an mit den Menschen, in dem er selbst Mensch wird in seinem Sohn Jesus Christus. Damit ist der Weg frei – zu Gott und zum umfassendsten Neuanfang.

Das Wort „anfangen“ kommt von anpacken, anfassen, in die Hand nehmen. Neu anfangen heißt daher, das Leben selbst in die Hand nehmen. Ich übernehme die Verantwortung für mein Leben. Ich gestalte es. Ich höre auf, darüber zu jammern, dass ich durch meine Erziehung oder durch meine Veranlagung festgelegt bin. Ich kann immer neu anfangen. Ich kann das, was mir als „Lebensmaterial“ vorgegeben ist, in die Hand nehmen und gestalten. Dieses Lebensmaterial ist meine Lebensgeschichte, es besteht aus meinen Stärken und Schwächen, meinen Erfahrungen von Geborgenheit und Selbstvertrauen aber auch meinen Verletzungen und Kränkungen. Wichtig bei jedem Anfang sind verlässliche Begleiter. Der verlässlichste Begleiter für Christen ist Gott. Denn Gott ist der Anfang und das Ende. Es lohnt sich, auf ihn sich immer wieder einzulassen, ihm das Leben anzuvertrauen – um es dann mit all seinen Höhen und Tiefen zu wagen: Weil wir es nicht allein zu leben brauchen. So kann jeder Anfang gelingen – nicht nur am Beginn eines neuen Schuljahres.

Ihr Pfarrer Burkhard Nitzsche

Monatspruch August

Gottes Hilfe habe ich erfahren
bis zum heutigen Tag
und stehe nun hier
und bin sein Zeuge bei Groß und Klein. 

Apostelgeschichte 26,22

Brücke über die Breitach im Kleinwalsertal