An(ge)dacht

Liebe Gemeinde,

mit dem Februar hat nun schon wieder die Vorpassionszeit begonnen. Diese und die Wochen, die von den Passionssonntagen geprägt sind, umfassen die kommenden beiden Monate. Erst ganz am Ende, erst mit dem darauffolgenden Monat ist Ostern zu entdecken.

Sexagesimae, so heißt der erste Sonntag im Februar – wir wissen schon von seinem Namen her um die noch fast 60 Tage bis Ostern. Passionszeit will Zeit der Vorbereitung sein und lädt zu innerer Einkehr ein.

Was brauch ich für mein Leben? Dieser Frage stellen sich viele Gläubige im bewussten Verzicht auf sonst alltägliche Dinge oder Angewohnheiten, im Verzicht auf bestimmte Lebensweisen und Genüsse. Eine hilfreiche Konzentration auf das Wesentliche. Keine Selbstkasteiung und Bußübung wie im Mittelalter, sondern Weglassen, damit Manches einen neuen Wert gewinnen kann. Das sonst Überdeckte gewinnt Raum. Und das Verzichtete erscheint weniger alltäglich, mehr und neu als Geschenk.

Im Weglassen geschieht passive Konzentration. Zu ganz aktiver Konzentration lädt uns der Monatsspruch für Februar ein: Es ist das Wort ganz nahe bei dir, in deinem Munde und in deinem Herzen, dass du es tust. (5.Mose 30,14 )

Gott begegnet uns in seinem Wort. Er tut es, so hören wir. Sein Wort liegt uns auf der Zunge, wenn wir Worte der Liebe finden. Sein Wort liegt uns auf der Zunge, wenn wir: „Verzeih mir“ sagen. Sein Wort liegt uns auf der Zunge, wenn uns tröstende Sätze über die Lippen kommen.

Aber wie das manchmal so ist, da liegen uns Worte auf der Zunge, aber wir kommen nicht wirklich drauf. Weil sich anderes in unseren Gedanken vorschiebt. Oder weil wir die Worte zu wenig geübt haben, zu wenig daran gedacht haben und jetzt im entscheidenden Moment, haben wir nur eine Ahnung, was es sein könnte, aber es fällt uns nicht ein.

Auch darum hat es Gott immer neu versucht mit seinem Wort an uns Menschen. In den Worten der Gebote, wie es hier im 5. Buch Mose ganz ursprünglich gemeint ist, hat er es uns nahegebracht. Seine Gebote sind Orientierung und Lebenshilfe, die auf das Wesentliche zeigen. Später hat Gott seine Propheten beauftragt, die Menschen an diese seine guten Ordnungen zu erinnern, damit ihr Leben miteinander gelingt. Und sein Wort ist Fleisch geworden, damit unsere Herzen in den Gleichschlag seines Herzen kommen können, dass die Gnade fassbar wird. Gott tut es immer wieder, uns nahe zu sein. Da weicht er nicht aus, da hält er alles aus. So ist das entscheidende Wort für unser Leben das Wort vom Kreuz geworden. So nah ist sein Wort, dass es den Tod mit uns aushält; auch jedes Sterben schon mitten in unserem Leben. Das fällt uns mitten ins Herz, wenn wir es glauben.

Die Passionszeit lädt uns ein, dem besonders Raum zu geben. Die Nähe zuzulassen. Indem wir Raum schaffen im Weglassen. Und wir sind eingeladen auf sein Wort zu lauschen, damit es uns wieder locker von der Zunge kommt, wenn Gott uns braucht.

Ihr Pfarrer Cornelius Epperlein

 

Karwoche und Ostern

Liebe Gemeinde,

an den Feiertagen der Karwoche und des Osterfestes begehen wir die große Wende. Die Wende von der Trauer zur Freude, die Wende von der Vergeblichkeit zur Hoffnung, die Wende von der Schuld zur Vergebung, die Wende vom Tod zum Leben. Es ist die Wende Gottes, die er immer neu für unser Leben bereitet.
Glaube ist nicht Wirklichkeitsverleugnung. Im Gegenteil. Die Realität von Abschied und Sterben gehören zu unserem Leben. Das begehen wir Gründonnerstag und Karfreitag. Aber schon im Abendmahlsgeschehen deutet sich im Abschied Jesus von seinen Jüngern an, dass es ein Abschied in eine ganz andere Gegenwart sein wird, mit der sich Gott den Menschen je neu und wieder mit seiner ganzen Präsenz schenken wird. Das feiern wir mit dem Gottesdienst zur Einsetzung des Abendmahls (29. März, 19 Uhr, OASE).
Aber immer wieder stellt sich menschliche Schuld gegen den Plan Gottes für uns Menschen. Das zieht Verderben, das zieht das Zerstörerische, das zieht den Tod nach sich. Karfreitag ist der Tag der Trauer über unser immer wieder aufbrechendes menschliches Versagen. Es ist der Tag der Trauer darüber, was wir Menschen einander, was wir Gott antun. Und darin auch schon ein Tag der Hoffnung, weil wir all diese menschliche Schuld von einem ans Kreuz getragen sehen – von uns weg auf sich genommen. Dem gehen wir in Gedanken im Karfreitagsgottesdienst (9 Uhr, Copitz) nach und bedenken es in der Stille und begleitet von der Musik der Orgel in der Kreuzandacht (15 Uhr, St. Marien).
Im Licht des Ostermorgens erwacht das Bewusstsein, dass die große Wende nur am Tiefpunkt beginnen kann. Dahin, wo unsere tiefsten Ängste sind, ist Gott mitgegangen in seinem Sterben am Kreuz. Und als der erste führt er uns vor Augen, dass von dort der Weg nach oben bereitet ist. Ins Leben, das uns allen blüht. Der Tod wird ins Leben gewendet. Das aufscheinende Licht lässt die Nacht hinter uns. In der Feier der Osternacht (1. April, 6 Uhr, Friedhofskapelle Pirna) werden wir in dieses Erleben hineingenommen. Den Jubelruf: „Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden!“ tragen wir dann hinein in den Festgottesdienst (9.30 Uhr, St. Marien), in den Familiengottesdienst (10 Uhr, Copitz) und nach Zuschendorf (11 Uhr).
Und weil geteilte Freude und Hoffnung, doppelte Freude und Hoffnung sind, feiern wir mit anderem Menschen zusammen, feiern wir als Gemeinde. Besonders erlebbar am 2. Osterfeiertag, wenn wir im Kinderhaus zum Osterfrühstück zusammenkommen. (10 Uhr, Evangelisches Kinderhaus)

Ostern muss nichts beim Alten bleiben. Also lassen wir es auch für uns nicht darauf bewenden, sondern lassen wir uns be-wenden.

Pfarrer Cornelius Epperlein

Monatspruch Februar

Es ist das Wort
ganz nahe bei dir,
in deinem Munde
und in deinem Herzen,
dass du es tust.

5.Mose 30,14

Farn im Frühling

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Tägliches Osterlied

Da der Regen in die Tropfen
fiel
die Traurigkeit um uns.
Und die Farblosigkeit
dahinfloss
in den Stunden
die Freude
an dem versteckten Blau hängenblieb.
Alles Aufbegehren schlug in
die Leere
traf
nicht zu.
War
und nichts blieb
als Bitten,
wie es dem Himmel
schwamm entgegen
dem starken Strom
der Tränentropfen.
Als das hochgehaltene Hoffen
zerriss
die Verzweiflungswolke
strahlte Licht.