Gottesdienst zum Thema Vielfalt - Gestaltet und gefeiert mit Aktivisten des Christopher-Street-Day am 7. Juli in Pirna

Begrüßung

Liebe Gemeinde, wie in den Farben des Regenbogens, wie in den feinen Abstufungen mit denen sie ineinander übergehen, so sind in unserem menschlichen Zusammenleben viele verschiedene Lebensumstände, Lebensformen und Lebensentwürfe zu entdecken. Diese machen uns aus und lassen jeden Menschen ein ganz eigenes Individuum sein. Je nachdem wie wir gefärbt sind, entdecken wir darin aber auch Gemeinsamkeiten. Diese machen manchmal unsere ganze Person aus oder sie zeigen sich in besonderen Lebensphasen. Als Männer und Frauen, als Eltern und Kinder, als Hochgebildete oder von einfachem Gemüt, in unserer Form der Religiosität – des Glaubens, als Paare oder Singles, als je eigen geprägt in unserer sexuellen Orientierung, als Heimatverwurzelte oder Herumtreibende, als Ordnungsfanatiker oder Chaosbeherrscher erleben wir uns einerseits ganz spezifisch in unserer Eigenart als auch mit anderen verbunden, die ihr Leben ähnlich gestalten. Manchmal sind diese Gruppen mit ähnlichen Erfahrungen groß und manchmal finde ich mich in einer Minderheit wieder. Es ist traurige Erfahrung, dass durch die Geschichte hindurch bis heute, Gruppen von Minderheiten immer wieder ausgegrenzt, verächtlich gemacht oder gar verfolgt werden.

Die Stärke der christlichen Gemeinschaft ist es aber, dass sie Unterschiede, dass sie Vielfalt aushalten kann. Dafür steht auch immer wieder als Symbol der Regenbogen. Er steht als Symbol für Gottes gute Schöpfung, in der wir Menschen uns als seine Geschöpfe entdecken dürfen – geliebt, so wie wir sind. Der Regenbogen ist ein Symbol des Friedens. Weil Frieden nur werden kann, wo wir die Vielfalt aushalten und andere Lebensvorstellungen nicht zur Anfechtung unseres eigenen Lebens werden. Unter dem Symbol des Regenbogens haben gestern am Christopher-Street-Day, Menschen, die wegen ihrer sexuellen Identität auch heute noch Ausgrenzung und Ablehnung erfahren, dafür, dass dies nicht so bleiben muss, gefeiert und demonstriert. Gemeinsam mit ihnen soll dieser Gottesdienst Anlass sein, der Vielfalt der Lebensformen bewusst Raum zu geben.

Der Spruch dieser Woche lädt geradezu dazu ein, sich in seiner ganz eigenen Identität von Gott angenommen zu fühlen. So heißt es bei Jesaja im 43. Kapitel: So spricht der Herr, der dich geschaffen hat: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein! (Jes 43,1)

Predigt

Es hatte aber alle Welt einerlei Zunge und Sprache. Eine Sprache? Das hatten wir doch schon einmal; also wir hier, wir selbst oder unsere Vor-mütter und –väter; eine Sprache, das hatten wir doch schon einmal hier in Deutschland unter verschiedenen Vorzeichen. Eine verordnete, vereinheitlichte Sprache, die verordnete, vereinheitlichte Meinungen eintrichtern wollte.

Und was diese eine Sprache bewirkte, war dies, dass alles von einer verordneten Norm Abweichende unterdrückt und verfolgt wurde, ja ausgemerzt werden sollte.

Wohlauf lasst uns … dass hieß dann immer, sich unter einer Losung zu versammeln, unter der alles möglich wäre, alles zu erreichen sei, sei es die Weltherrschaft der arischen Rasse oder später die des Kommunismus.

Im Nationalsozialismus hat Einer diese eine verordnete, ideologisierte und manipulierende Sprache analysiert. In seinem Buch LTI, diesem Notizbuch eines Philologen, hat Victor Klemperer in entlarvender Weise diese Wirkung der vereinheitlichten Sprache offengelegt. LTI – Lingua Tertii Imperii, also die Sprache des dritten Reiches. Diese vereinheitlichende, unter eine einheitliche Gesinnung stellende Sprache. In seinem Buch kommt er zu dem „Ergebnis, dass die Sprache in der Zeit des Nationalsozialismus die Menschen weniger durch einzelne Reden, Flugblätter oder Ähnliches beeinflusst habe, als durch die stereotype Wiederholung der immer wieder gleichen, mit nationalsozialistischen Vorstellungen besetzten Begriffe.“[1]

Eine vereinheitlichende Sprache: Wohlauf lasst uns … Gleichschaltung der Gedanken wurde versucht, die Gleichschaltung der gesellschaftlichen Kräfte wie Parteien und Vereine wurde verordnet.

Daran knüpft dann sehr schnell der später real existierende Sozialismus genannte Einheitsbrei an. Wohlauf, lasst uns einen neuen Menschen machen. Und mit diesem neuen Menschen können wir Türme bauen, die bis in den Himmel reichen. Einen Gott brauchen wir nicht mehr. Kommunismus, das ist Sowjetmacht plus Elektrifizierung. Übersetzt: Wohlauf, lasst uns eine neue Gesellschaft bauen, in der eine Macht gilt, von der es keine Abweichung gibt und in der wir das technisch Mögliche hinbauen.

Fast zeitgleich implodierte diese Form der Gleichschaltung, als der Zusammenbruch des Ostblock zeigte, dass das Menschsein nicht in eine einheitliche Form, auch nicht in die des neuen Menschen zu gießen ist, und kurz zuvor der Technikbeherrschungswahn des Menschen seine tödlich, radioaktive Wolke über Tschernobyl entlassen hatte.

Und in all diesen Jahren hatten Menschen, die sich ihrer je eigenen Individualität, ihrer eigenen Herkunft mal mehr oder weniger bewusst waren, aber immer Menschen waren, die diese eine Sprache der Macht nicht mitsprechen konnten oder wollten, zu leiden. Manchmal wurden sie von einen Tag auf den anderen zu Unbeliebten, zu Ausgegrenzten, zu Entrechteten gemacht: Juden, wie Roma und Sinti, Demokraten wie ehrlich Konservative, Homosexuelle, Menschen mit Behinderung, Friedensbewegte wie Umweltschützer, Selbständige, Gewerkschafter und Freiheitsliebenden, Punks und eben auch Christen immer wieder, sofern sie sich nicht einerseits als Deutsche Christen oder andererseits als der Christliche Friedenskonferenz angehörig zeigten.

Eine Sprache, die auch und gerade in unserem Land ihr zerstörerisches und gleichmacheriches Werk verrichtet hat.

In der biblischen Geschichte vom Turmbau zu Babel erfahren wir – so etwas lässt Gott nicht durchgehen. Denn es entspricht uns Menschen nicht, es wird uns nicht gerecht darin, dass wir alle erst einmal unsere eigene Sprache sprechen.

Dass wir alle erst einmal unsere eigene Sprache sprechen müssen – und dürfen. Und das ist dann die Sprache von Juden, wie Roma und Sinti, die Sprache von Demokraten wie ehrlich Konservative, die Sprache von Homosexuellen, die Sprache von Menschen mit Behinderung, die Sprache von Friedensbewegten wie Umweltschützern, Unternehmern, Gewerkschaftern und Freiheitsliebende, die Sprache von Punks und Hip-Hopern und Emos und Gamern und Nerds und Müttern und Väter und und und und … eben auch Christen. Und Ja, es ist nicht sofort selbstverständlich, dass wir uns gleich verstehen. Wir müssen miteinander reden.

Und Voraussetzung dafür ist es, einander anzuerkennen, anzunehmen in unserer Andersartigkeit, in unserm je ganz eigen geprägten Menschensein.

Und es ist immer wieder nur gutes Recht derer, deren Sprache, deren Ausdruck der Lebensform abgewertet wird, auf sich aufmerksam zu machen.

Darum und nicht, weil etwa alle so sein müssen, die Regenbogenfahne vor dem Rathaus und der Christopher-Street-Day. Weil lange noch nicht selbstverständlich ist, dass Unterschiedlichkeit, dass Vielfalt kein erzwungenes Muss, sondern schlicht eine Lebenswirklichkeit ist. Und dass dort, wo wir Menschen, die eine Minderheit unter uns sind, ausgrenzen und für sie nicht dieselben Lebensmöglichkeiten gelten lassen, wir Unrecht tun. Dass sich Menschen mit ihrer selbst als bunt, vielleicht manchmal selbst als schräg empfundenen Lebenswirklichkeit da zeigen und feiern, was kann es schöneres geben.

Das muss nicht meins sein. Braucht es auch nicht. Aber ihrs darf ich das sein lassen und eben nicht nur an so einem Tag oder mit so einem Gottesdienst heute, sondern immer und jeden Tag.

Wenn uns vor wenigen Tagen hier ein Trojanisches Pferd in die Stadt gezogen worden ist, dass in seiner grau-braunen Machart alles vielfältig Bunte auch augenscheinlich ablehnen will, dann muss solcher als Kunst getarnten Aktion geradezu das Feiern der Vielfältigkeit auf einem Fest- und Aktionstag wie dem Christopher-Street-Day ebenso entgegengesetzt werden, wie das Feiern der Vielfältigkeit gestern beim Begegnungscafé hier oder auf dem Markt der Kulturen.

Wenn bei den Reden neben diesem Trojanischen Pferd eine durchgehende Linie vom braunen über den rotem zum behaupteten „bunten Sozialismus“ heute gezogen wird, dann ist das eine unverfrorene Verdrehung der Machtverhältnisse und schon wieder eine implizierte Opferverhöhnung.

Denn in diesem Trojanischem Pferd stecken eben leider nicht die wohl mehr als 1400 Menschen, die seit Beginn des Jahres schon wieder im Mittelmeer ertrunken sind. Sie machen unser Leben ganz gewiss nicht bunter, die Vielfalt hier nicht größer. Diese Menschen sind schlicht verreckt. Und ihr Tod wird noch benutzt

Da taucht schon wieder eine vereinheitlichende Sprache auf, die Worte wie „Flüchtlingswelle“, die Sprachkonstrukte wie „Asyltourismus“, "Festung Europa" oder „Sozialmissmbrauch“ immer mehr zur Gewohnheit werden lassen, bis sie sich in den Köpfen einnisten. Und die Schiffe und Flugzeuge derer, die solch sinnlosen Tod verhindern wollen, werden festgesetzt.

Wohlauf … lasst uns unseren Wohlstand wahren und haltet fern von uns, womit wir uns auseinandersetzen müssten, was uns zur Auseinandersetzung mit dem etwas Anderen herausfordert, was uns aus den gewohnten Bahnen reißen könnte.

Noch ein Wort zu der behaupteten Linie vom braunen über den roten zum bunten Sozialismus. Ein Wort darum, weil dies eben oft auch mit einer vereinheitlichenden oder zumindest einhaltgebietenden Sprache in den Zusammenhang gebracht wird, wenn von political correctness also von politisch korrekter Sprache die Rede ist.

Eine Gleichsetzung etwa mit der LTI oder den von Rügen bis zum Fichtelberg gleichen Zeitungsartikeln zu Honeckers Zeiten ist eben nicht richtig. Weil die Richtung eine völlig andere ist.

Unter den Diktaturen war die einheitliche Sprache ein Mittel der Macht. Eine Vorgabe, bei der eine Abweichung, ein Anderssagen, -denken und -sein im schlimmsten tödliche Folgen haben konnte. Und weil dies unter der braunen Macht wesentlich schneller geschehen konnte als im real existierenden Sozialismus, halte ich schon die Linienführung von einem zum anderen für nicht gerechtfertigt. Umso weniger lässt sich eine Linie in unsere Zeit und etwa zu politisch korrekter Sprache ziehen.

Weil der entscheidende Unterschied ist, dass diese die Perspektive der Opfer ernst nimmt, die Perspektive derer, die unter scheinbar allgemeingültiger Sprache zu leiden haben. Die Perspektive von Menschen, die sich an den Rand gedrängt fühlen, von Menschen, die sich in der Fremdbeschreibung diffamiert fühlen,

Und da ist es so, wenn wir uns einer gewissen Sprachhygiene, die diffamierende und ausgrenzende Begriffe vermeidet, einer Sprachhygiene die inklusiv sein will, weil sie so niemanden übersieht, wenn wir uns einer solchen Sprachhygiene befleißigen, dann nehmen wir ernst, dass Sprache auch als Machtmittel missbraucht werden kann, dann stellen wir uns auf die Seite möglicher Opfer, dann nehmen wir die Vielfalt ernst, der unsere herkömmliche Sprache und Sprechweise eben manchmal nicht wirklich gerecht werden kann.

Dann stellen wir uns auf die Seite der Opfer. Und an der Seite, derer die zu Opfern gemacht werden, steht ganz gewiss auch Gott.

Darum eben sehe ich in der erzählten Sprachverwirrung in dieser uralten Geschichte keine Strafe Gottes, sondern ein nötiges Zurechtrücken der Verhältnisse. Verschiedene Sprachen, damit Menschen eben ihre Sprache sprechen können, eine Sprache, die ihnen gerecht wird. Und selbst auf die Gefahr hin, dass das anderen erst einmal als Kauderwelsch, als Gebabbel vorkommt.

Und was ist dann mit Pfingsten? Mit dem Wunder, dass sich alle wieder verstehen? Ist dann alle Individualität und Buntheit wieder eingebügelt? Im Gegenteil. Auch diese Geschichte zählt ja geradezu die unterschiedliche Herkunft erst einmal ausdrücklich auf, da kommen die Menschen aus so tollen Ländern wie Phrygien und Pamphylien, bunter kann das Völkergemisch nicht sein.

Aber in all dieser Buntheit verstehen sie sich in der Sprache des Glaubens. Denn die Sprache des Glaubens ist die Sprache der Liebe. Da wird nichts eingeebnet, sondern da geschieht Verständigung. Das ist das Wunder. Und das ist immer etwas Wunderbares.

Wenn Verschiedenheit eben nicht zum Trennenden wird, sondern im Besten zum Anlass, einander kennenzulernen, voneinander zu hören, aufeinander zu hören.

Die Sprache der Liebe ist keine verordnete Sprache, sondern Sprache, die entsteht. Sie ist Sprache, die entsteht aus Verständigung, aus Achtsamkeit, aus Anerkennung unserer je unterschiedlichen Identitäten.

Und sie kann eben nur dann entstehen, wenn wir uns unserer eigenen Identität bewusst sind, sie annehmen können und uns ihrer nicht schämen oder gar schämen müssen, weil uns andere einreden, nicht so sein zu dürfen, wie wir sind. Eigene Identität finden und haben, heißt, sicher mit anderen Identitäten umgehen können

Buntheit und Vielfalt ist nicht etwas, was wir herstellen, sondern was da ist. Verschiedenheit ist Wirklichkeit und jeder Vereinheitlichungswille schneidet Menschen etwas von ihrer Identität ab.

Wir sind in dieser Vielheit unterschiedliche Charaktere und unterschiedlich Liebende und wir mögen unterschiedliche Musik und ein Opernliebhaber ist nicht unbedingt ein besserer Mensch als ein Schlagerfan und ein Schlagerfan braucht sich nichts auf seine natürliche Volksverbundenheit einbilden und den Opernliebhaber als abgehoben und elitär bezeichnen.

Lasst uns doch Unterschiedliches mögen und es mal nebeneinander, jeder für sich im Opernhaus oder auf dem Feuerwehrball und ein andermal fröhlich miteinander leben. Dann sehe ich beide; Opernliebhaber und Schlagerfan ausgelassen mitwippend auf dem Dixielandfestival zum Beispiel, oder beim Stadtfest, oder beim CSD.

Wir sind in dieser Vielfalt von Gott geschaffene Menschen. Er will uns so. Auch mit den Unterschieden. Auch mit unseren Vorlieben. Wenn alle nur Rothaarige lieben würden, dann wäre es ganz schön schlecht um unsere Beziehungen gestellt.

Ja, wo die Liebe hinfällt, da fällt sie hin. Und das gilt eben nicht nur in der Frage der Haarfarbe sondern das gilt für die ganze sexuelle Identität, die ich habe.

Und da ist alles möglich. Alles, worin sich Liebende in ihrer Würde begegnen. Es ist jedoch nichts möglich, was andere verletzt oder herabwürdigt.

Jede gelebte Sexualität, die einen anderen Menschen ausnutzt, ihn oder sie herabwürdigt, jede gelebte Sexualität in der ein Machtgefälle des Herrschens und Unterdrückens geschieht, ist keine neue Farbe im Spiel der Sexualität sondern ist dunkelschwarze Verfehlung der eigenen Lust. Individualität zu leben ist kein Freibrief von anderen zu nehmen, was sie nicht geben wollen. Dann heißt Individualität Egoismus. Und Egoismus schafft ebenso wie Gleichschaltung Opfer.

Aber sonst, bitte!, ist doch alles möglich – alles, was in Liebe geschieht. In all der Vielfalt und Buntheit, in der wir Menschen sind.

Ja, Gott hat den Menschen als Mann und Frau geschaffen. Aber für mich ist das nicht das Indiz dafür, dass sich nur Mann in Frau und Frau in Mann verlieben darf und kann.

Im Gegenteil. Darin wird von Beginn an klar, dass wir als Menschen verschieden sind. Ein Mann ist eben keine Frau und eine Frau ist kein Mann. Schon Adam und Eva erkennen sich als je eigene Individuen.

So sind wir Menschen gedacht von Gott. Gleich in seiner Ebenbildlichkeit und damit gleich in unserer ganzen Würde als Menschen. Da gibt es nicht Mann und Frau, nicht Groß und Kind, nicht weiß und schwarz.

Aber wir sind unterschiedlich in unserer je eigenen Individualität, die uns mitgegeben worden ist. Noch einmal: Ein Mann ist eben keine Frau und eine Frau ist kein Mann. Und ein Homosexueller ist eben kein Heterosexueller und auch ein sich intersexuell erlebender Mensch kann und darf eben nicht zu einer Frau oder einem Mann erklärt werden.

Denn dann wird das, was uns gleichmacht, die Würde des von Gott geschaffenen Geschöpfs, die uns jedem innewohnt, dann wird die zerstört.

Dann würde eine vereinheitlichende Sprache verlangt. So eine Sprache, die bewirkt, dass nicht sein kann, was nicht sein darf.

Gott will es anders. Er will, dass wir aus unseren unterschiedlichen Lebenserfahrungen, aus unseren von ihm mitgegeben Identitäten heraus ins Gespräch kommen. Das wir als Bereicherung empfinden, wenn mal jemand nicht mit uns in das gleiche Horn stößt, sondern uns fremde Klänge aufmerken lassen.

Ja, das macht durchaus auch Mühe. Sich auf Ungewohntes einzulassen. Hinzuhören, Nachzufragen, damit ich die andere Sprache, das andere hören kann, die andere Meinung verstehe. Aber es ist Mühe, die sich lohnt, weil sie uns im besten Falle weiterbringt, weil sich uns ein Raum des auch Möglichen öffnet. Den muss ich nicht betreten, wenn ich nicht will. Auch darin liegt die mir von Gott gegeben Würde. Aber wenn es ein für mich guter, ein reizvoller Raum ist, warum soll ich da nicht eintreten.

Leben heißt doch immer ausprobieren. Das darf ich für mich in Anspruch nehmen. Und genau diesen Raum, darf ich Menschen neben mir lassen. Diese Freiheit von dem der Psalmbeter sagt: Du stellst meine Füße auf weiten Raum. Du, Gott also, machst mich frei, das zu leben, was ich bin.

Und darin bin ich gewiss eines: Geliebt. Von Gott geliebt. Und Liebender. Auch das ist uns in aller Unterschiedlichkeit und Buntheit der Lebensentwürfe gleich. Wir sind aufeinandergewiesene Menschen in unserem Miteinander und als Geliebte selbst zur Liebe fähig.

Zur Liebe in allen ihren Ausformungen. Zur partnerschaftlichen Liebe, die zweisames Miteinander begründet und auch neue Liebe entstehen lassen kann im Erleben als Familie, als Elternliebe als Kinderliebe.

Fähig zur Nächstenliebe, die Achtsamkeit gebiert für die Menschen um mich herum und mich im besten Fall frei macht zu Hilfe, wenn es nötig ist, gar selbstlos sein kann.

Zur Liebe, die mitleidet und mitfühlt mit Menschen, die Leid ertragen. Neben mir, aber auch dort, wo mich die Nachrichten aus der Ferne erreichen.

Zur Gottesliebe, wenn ich mit meinem Leben Antwort gebe, wenn ich mich einlasse auf das Abenteuer des Glaubens.

Und zur Selbstliebe, die eben kein Egoismus ist, sondern das Entdecken meiner menschlichen Würde, die Ihre Quelle im Schöpfungshandeln Gottes hat und bestätigt wird in jedem Segen, den ich von ihm empfangen darf.

Amen

 

[1] Artikel LTI bei wikipedia